Bernhard GŁnther on Wed, 12 Apr 2000 16:29:20 +0200 (CEST)


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AW: [rohrpost] ISP und RPS


> "Das Urteil ist ein Meilenstein bei der Durchsetzung von
> Urheberrechten im Netz", sagt der Sprecher der
> Verwertungsgesellschaft Gema, Hans-Herwig Geyer.Bevor es das
> Internet gab, war die Rechtslage f=FCr Musikverlage,
> Fotografen und Filmemacher einfach: Sie konnten
> Schadenersatz verlangen, wenn jemand unerlaubt ihre CDs,
> Fotos und Filme nutzte, oder sie konnten die Benutzung -
> anders als bisher im World Wide Web - sogar ganz verbieten.=20
>=20
> Das noch unver=F6ffentlichte Urteil (Az: 7 O 3625/98), das der
> Financial Times Deutschland vorliegt, hat gro=DFe Bedeutung
> f=FCr alle Musikverlage, Verwertungsgesellschaften und
> Musiker, die bislang gegen Musikpiraten im Internet nur eine
> beschr=E4nkte rechtliche Handhabe hatten.=20

"Seien Sie sich im klaren darueber, dass die derzeitigen=20
Veraenderungen an der Architektur des Internet und an den=20
diesbezueglichen Gesetzen eine Rueckkehr ins finsterste=20
Mittelalter darstellen. Begreifen Sie das als die=20
Wiedereinsetzung einer Rechtslage, die von neuem zu=20
Konflikten mit dem dezentralen Prozess der Kreativitaet=20
fuehren wird. Doch diesmal sind es nicht die tatsaechlichen=20
oekonomischen Barrieren im Sinne der hohen Kosten einer=20
Druckerpresse oder im Sinne dessen, dass Vinyl in bestimmte=20
Formen gepresst werden muss. Diesmal sind es Barrieren, die=20
kuenstlich durch Gesetze errichtet werden. Durch Gesetze, die=20
von Gesetzgebern erlassen werden, die von den reichsten=20
Lobbyisten in den Vereinigten Staaten beeinflusst werden.=20
Und diese Wiedereinsetzung, die uns in das finstere=20
Mittelalter der Siebziger Jahre zur=FCckwirft, ist in einem=20
bedeutsamen Sinn nicht notwendig. Wir muessen nicht=20
zur=FCck. Aber weil niemand bei diesen Aenderungen der=20
Architektur des Internets und der Urheberrechte an die=20
Kultur denkt, weil die politischen Querverbindungen zwischen=20
diesen beiden Elementen uebersehen werden, weil Hollywood=20
mit Erfolg alle davon ueberzeugt, dass es nur darum geht,=20
Piraterie zu bekaempfen, weil niemand unterscheidet zwischen=20
,frei' im Sinn von Freibier und ,frei' im Sinne von freier Rede, weil=20
wir das Gespuer daf=FCr verloren haben, warum freier Zugang zur=20
Kultur f=FCr kulturelle Vielfalt unabdingbar ist - deswegen nehmen=20
wir diesen Prozess in Kauf, in dessen Verlauf all diese Rechte=20
ausgedehnt werden und die Kontrolle uewird, die sie in den=20
Siebziger Jahren innehatten. Es ist wichtig, sich dagegen zu=20
stellen und auf Freiheit im Sinne freien Zugangs und=20
Gebrauchs zu bestehen - auch wenn das mit Bezahlung=20
erbunden ist."

Lawrence Lessig, Harvard Law School
18. 3. 2000 @ http://www.mica.at/mf_zitate.html


> Die Musikindustrie will auf eigene Faust Raubkopien
> bek=E4mpfen: Der technische Filter RPS (Rights Protection
> System) soll das illegale Musikangebot im Internet stoppen.
> Dabei geht es speziell um Musikfiles von ausl=E4ndischen
> Servern, erl=E4utert der Urheberrechtsexperte der
> International Federation of the Phonographic Industry
> (IFPI), Thorsten Braun. Der Filter wird bereits getestet.=20
>=20
> Wenn die Internet-Provider sich weigern, den Filter zu
> installieren, will die Musikindustrie vor Gericht ziehen.
> Dann steht die n=E4chste Musterklage ins Haus.=20

Auch zu diesem Projekt "IFPI errichtet Firewall um ganz=20
Deutschland" Vortraege und Diskussionen mit Sascha Koesch,=20
Volker Grassmuck u.v.a.m. im micafocus 1 auf=20
http://www.mica.at/mf_zusammenf.html

Das Thema wird bei und in Kuerze fortgesetzt mit einer=20
Podiumsdiskussion am 2. Mai, mehr dazu demnaechst=20
auf http:/www.mica.at und auf dieser Liste.

Bernhard Guenther
Kurator
mica - music information center austria
stiftgasse 29, 1070 wien, austria
tel +43 (1) 52104.55, fax 52104.99
http://www.mica.at; guenther@mica.at


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