Schilling, Thorsten on Wed, 12 Dec 2001 13:33:00 +0100 (CET)


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[rohrpost] 9-11 links vom 10.12.


- hier die aktuellen links zum 11.9., die die Bundeszentrale für politische
Bildung (http://www.bpb.de) in Kooperation mit politik-digital
(http://www.politik-digital.de) täglich erstellt. -th -

Links vom 10.12.

2. Aktuelles 

http://www.freitag.de/2001/50/01500501.php - In diesem Interview erklärt der
französische Sozialwissenschaftler Serge Latouche, dass der Krieg in
Afghanistan von den USA benutzt wird, um ihr Projekt der Globalisierung
voranzutreiben. (Freitag 7.12.)

http://argument.independent.co.uk/leading_articles/story.jsp?story=109193 -
Auch in Großbritannien wundern sich viele Kommentatoren über die
Transformation ihres Innenministers von einem Verteidiger liberaler
Freiheitsrechte zu einem Verfechter von Law and Order. David Blunketts
Anmerkungen zur Integration erinnern wiederum an die in Deutschland bekannte
Leitkultur-Debatte: Zuwanderer sollten sich seiner Meinung nach mehr an
britischen Werten und Normen orientieren und sich um die bessere
Beherrschung der englischen Sprache bemühen. (Independent 10.12.)

http://www.guardian.co.uk/analysis/0,6957,177711,00.html - Luke Harding
teilt den gegenwärtigen Optimismus hinsichtlich der Zukunft Afghanistans
nicht. Er traut der Nordallianz nur wenig und erinnert daran, dass erst der
Einzug der Taliban ihrem gewalttätigen Bürgerkrieg ein Ende gemacht hat. Nun
seien alle Warlords aus dem Exil zurückgekehrt, es droht die Wiederholung
der alten Machtspiele. (Guardian 10.12.)

http://www.villagevoice.com/issues/0149/ridgeway2.php - Ein wütender
Kommentar von James Ridgeway zur amerikanischen Vernachlässigung der
katastrophalen  humanitären Situation in Afghanistan. Die Verteilung der
Hilfslieferungen sei nach wie vor schwierig, ein Großteil verbleibe in den
Städten, obwohl etwa 85% der Afghanen auf dem Land lebten. Die
weitergehenden Bombardierungen behindern zudem die Arbeit der
Hilfsorganisationen. Die Reaktion von Präsident Bush bestehe in der
Versendung von 10.000 Hilfspaketen: "Designed for Afghan children, a quarter
of whom die before the age of five, the packs include items like a fuzzy
plastic ball, Starburst candy, raisins, and two suckers." (Village Voice
6.12.)

http://www.lemonde.fr/article/0,5987,3232--254047-,00.html - Daniel Vernet
glaubt, dass die Annäherung der NATO an Russland die letzte Chance des
Bündnisses sein könnte, um sein Weiterbestehen zu berechtigen. (Le Monde
10.12.)

4. Länderstudien 
4.2. US-Außenpolitik 

http://www.nzz.ch/2001/12/08/al/page-article7TJG7.html - Der ehemalige
Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium Lothar Rühl berichtet
über die Anstrengungen der USA, ihr strategisches Netz von internationalen
Militärstützpunkten noch enger zu ziehen. Der Krieg in Afghanistan habe
einmal mehr gezeigt, dass zukünftige Konflikte nicht mit Luftangriffen von
weit entfernten Basen oder Flugzeugträgern aus zu lösen sind, die
Anwesenheit von konventionellen Bodentruppen ist wieder vordringlicher
geworden. Außerdem hat sich gezeigt, dass die Amerikaner auch in Zukunft auf
regionale Allianzen und Verbündete angewiesen sein werden, eine allzu
unilaterale Außenpolitik wird sich schon deshalb verbieten. (NZZ 8.12.)

http://www.nzz.ch/2001/12/08/al/page-article7UAWL.html - Die neue Annäherung
zwischen den USA und China führt offensichtlich nicht dazu, dass China die
Unterdrückung der Uiguren unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung führen
kann. Die USA sind nicht bereit, über die Repressionen der Minderheit im
Austausch für eine engere Kooperation hinwegzusehen. (NZZ 8.12.)

4.3. Islamische Staaten 

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel103335.php - Iran mag sich
langsam öffnen, vorerst haben die konservativen geistlichen Kräfte die
Außenpolitik allerdings noch fest in der Hand. Rudolph Chimelli zeigt, dass
ihr Führer Ali Chamenei nach wie vor weitaus mehr Machtfülle besitzt als der
gewählte Präsident Kathami. Er ist Befehlshaber der Streitkräfte und steht
dem Nationalen Sicherheitsrat vor, er ernennt den Chef der Justiz und kann
den Präsidenten jederzeit absetzen, wenn das Oberste Gericht eine
Pflichtverletzung konstatiert. Auch für den Nachwuchs unter seinen
Gefolgsleuten ist vorerst gesorgt, Chamenei bezieht ihn aus religiösen
Schulen. (SZ 8.12.)

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11262/1.html - In den arabischen
Ländern findet eine Medienrevolution statt und sie wird nicht durch das
Internet, sondern durch das Satellitenfernsehen angeführt. In vielen Ländern
werden jetzt sogenannte "Medienfreizonen" eingerichtet, in denen eine Arbeit
ohne staatliche Zensur zugesichert wird. Der TV-Sender Al Jazeera ist dabei
das große Vorbild. (Telepolis 7.12.)

http://www.sueddeutsche.de/aktuell/sz/artikel103606.php - Über andere
positive Entwicklungen in arabischen Ländern berichtet Heiko Flottau, der
die politischen Reformen des Emirs von Bharein vorstellt. Seit 1999 an der
Macht hat dieser dem Volk Demokratie, Parlamentswahlen und Meinungsfreiheit
versprochen und alle politischen Gefangenen frei gelassen. Bei den
Parlamentswahlen 2003 sollen erstmals auch Frauen wählen dürfen. (SZ 10.12.)

5. Bündnisse und Militärschlag 

http://news.bbc.co.uk/hi/english/world/from_our_own_correspondent/newsid_169
8000/1698345.stm - Frank Gardner überlegt, wie der Krieg gegen den Terror in
den arabischen Ländern geführt werden könnte. Ein Angriff auf den Irak
erscheint ihm unwahrscheinlich, selbst bei Aussicht eines Sieges würde einer
möglicher Zerfall des Landes die Amerikaner abschrecken. In Jemen und im
Sudan scheinen Militärschläge erst recht nicht in Frage zu kommen, beide
Länder kooperieren mittlerweile mit dem FBI. Der Einsatz von US-Truppen ist
zwar nicht unmöglich, würde aber in Zusammenarbeit mit den Regierungen
stattfinden (BBC 8.12.)

http://www.thenation.com/doc.mhtml?i=special&s=thompson20011202 - Der Krieg
in Afghanistan verursacht auch schwerwiegende Umweltschäden, über die
gegenwärtig kaum gesprochen wird. A.C. Thompson berichtet, dass die vom
Kosovo-Krieg bekannte Uran-Munition zwar kaum benutzt werde, dass aber die
angegriffenen Kraftwerke und Öl-Lager Schäden verursachen, die von den
Afghanen ohne fremde Hilfe kaum behoben werden können. (The Nation 10.12.)

7. Terrorismus 

http://www.foreignpolicy.com/issue_novdec_2001/sprinzakhyper.html - Ehud
Sprinzak erkennt hinter den Terroranschlägen der letzten Zeit einen neuen
Typus: den megalomanischen Hyper-Terroristen. Dieser ist ein intelligenter
und grundsätzlich apolitischer Individualist, der sich zu Höherem berufen
fühlt und katastrophale Attacken benutzt, um in die Geschichte einzugehen.
Dabei ist er nicht nur bereit, sich selbst zu opfern, sondern plant seinen
Tod gezielt mit ein. (Foreign Policy 10.12.)

8. Fundamentalismus und Extremismus 

http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/11289/1.html - Konrad Lischka
glaubt nicht, dass Bin Laden einen arabischen "antiimperialistischen" Kampf
gegen den Westen anführt. Dazu würden schon die Interessen der arabischen
Staaten viel zu sehr divergieren. Statt dessen sieht Bin Laden seine
Kampagne als Kampf gegen das internationale Judentum, als dessen Agent er
die USA ausgemacht hat. Und hier befinde sich Bin Laden tatsächlich in
großer Gemeinschaft, nicht nur in arabischen Ländern, sondern auch in
Kreisen der westlichen Linken und Rechten. (Telepolis 6.12.) 

9. Islam 

http://www.taz.de/pt/2001/12/08/a0267.nf/text.ges,1 - Dietmar Bartz mit
einer Kulturgeschichte des Turbans, der sehr viel älter ist als der Islam
und in Europa um 1800 eine Zeitlang gar zu einem fortschrittlichen Symbol
wurde. (taz 8.12.)

http://www2.tagesspiegel.de/archiv/2001/12/07/ak-ku-es-559995.html - Clemens
Wergin stellt fest, dass der Koran die in vielen muslimischen Ländern
praktizierte Frauenfeindlichkeit keineswegs rechtfertigt. Nur 6 der 6666
Suren sprechen von einer herabgesetzten Rolle der Frau, die männliche
Interpretationshoheit der ersten Jahrhunderte nach Mohammeds Tod hat jedoch
dafür gesorgt, dass diese Suren alle anderen überlagern. Viele Musliminnen
haben nun erkannt, dass der Kampf um Gleichberechtigung erfolgversprechender
ist, wenn man diese verschütteten Traditionen wieder belebt, anstatt sich
auf die westlichen Menschenrechte zu berufen, die leicht als fremder
Kulturimport zu diffamieren sind. (Tagesspiegel 8.12.)

http://www.foreignpolicy.com/issue_novdec_2001/takeyh.html - Ray Takeyh
glaubt nicht an die einfache Wahl zwischen Islam und Moderne. Er sieht die
Möglichkeit eines Mittelweges, der von moderaten Islamisten und Theologen
beschritten werden könnte, die die konservative Interpretation des Korans in
Frage stellen. Die mögliche islamische Demokratie wird sich in vielen
Punkten vom westlichen Modell unterscheiden, insbesondere was die Betonung
der individuellen Rechte angeht. Erfolg kann der Versuch jedoch nur haben,
wenn der Westen dieses islamische Demokratiemodell anerkennt und in die
Weltgemeinschaft integriert, obwohl es von seinen Vorgaben abweicht.
(Foreign Policy 10.12.)  
 
11. Ökonomie 

http://www.newyorker.com/FACT/ - John Cassidy fragt sich, wann wohl der
Bin-Laden-Effekt auf die amerikanische Wirtschaft zu Ende gehen wird.
Gegenwärtig erhole sich zwar der Aktienmarkt, die Wirtschaftsdaten blieben
jedoch negativ. Offensichtlich erhoffen sich die Aktionäre einen positiven
Effekt des Sieges über die Taliban, ähnlich wie das Ende des Golfkrieges
eine Wachstumsperiode einleitete. Dies sei jedoch keineswegs sicher, denn
die Rezession sei durch zwei Faktoren eingeleitet worden, den Abschwung der
New Economy und die Terroranschläge. Niemand könne wissen, wie es unter
diesen ungewöhnlichen Umständen weiter gehen wird. (New Yorker 10.12.)

12. Augenzeugenberichte 

http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/articles/A14332-2001Dec8.html - Eine
Reportage über das Leben von Überlebenden und Hinterbliebenen nach den
Anschlägen auf die USA. (Washington Post 9.12.)
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