www.nettime.org
Nettime mailing list archives

ZKP - interfiction
Herbert A. Meyer on Thu, 11 Jan 96 00:46 MET


[Date Prev] [Date Next] [Thread Prev] [Thread Next] [Date Index] [Thread Index]

ZKP - interfiction


ZK Proceedings 1995 
>net criticism<
**Essays/Statements

   _        .-.            .--. _       .-.  _             
  :_;      .' `.          : .-':_;     .' `.:_;            
  .-.,-.,-.`. .'.--. .--. : `; .-. .--.`. .'.-. .--. ,-.,-.
  : :: ,. : : :' '_.': ..': :  : :'  ..': : : :' .; :: ,. :
  :_;:_;:_; :_;`.__.':_;  :_;  :_;`.__.':_; :_;`.__.':_;:_;
ASCII-documentation pt I
-----------------------------------------------------------
                                                    pre 0.1
-----------------------------------------------------------
TRANSLATED MESSAGE:

*Preface: interfiction - perspectives and myths of counter-
public in data-nets

The global data-network is on everyone's lips. Initiatives 
that plan and promote the further extension of the nets in 
the big style originate in politics and economy. Goal of 
this engangement is an efficiency-oriented and economy-
centered utilization of the new structures of 
communication. The capacity of these projects is already 
proven within a wide range of areas and especially curious 
people are working with it yet. However, one can also judge 
this development skeptically. Traveling on the data-highway 
and the visit of virtual department stores doesn't differ 
from the everyday purchase and from newspaper-reading 
particularly. interfiction lays attention on the question 
how these multi-functional communication-structures can be 
used in an innovative and unconventional type and manner. 
interfiction would like to introduce these new 
possibilities from another perspective and sets the main 
focus on the discussion about counter-public net-
utilization.
    Counter-public has turned itself into the myth. The 
idea that a critical contact with media leads inevitably to 
a transformation of the society is obsolete. However, the 
data-nets offer a new occasion to use this myth 
constructively. Net-projects try, fascinated of the 
potentials of the net, to update the mythical dimensions of 
the electronic structure. Globalization, democratization 
and free access to information are catchwords. So it is 
possible within the Internet, for example, to ensure direct 
access to the entire data-material. As long as 'in real 
world' the distribution of the calculators is limited the 
Internet is truly not a global net. The catchword 
democratization has to be considered skeptically as well. 
It becomes more and more evident that the new technologies 
simply entwine itself around the old structures. So there 
is a new myth of 'counter-public' with an inherent 
ambivalent character. The world doesn't turn into a global 
village automatically, just as the data-networks do not 
inevitable render to a democratization.
    Nevertheless the discussion about the net-myths could 
engage a critical reflection on the use of data-networks. 
The projects who were invited to the interfiction-workshops 
try to enable communication and interaction on net-adequate 
and innovative type and manner, what means in contrast to 
pure efficiency-oriented projects. This is exactly the 
topic, that interfiction wanted to process. The two-day 
workshop took place at Dec the 8th and 9th 1995 to enable a 
detailed and intensive discussion. Following you will find 
the transcription of the beginning of the second workshop. 
sorry, only in German :-(


-----------------------------------------------------------
ORIGINAL MESSAGE:

*Einleitung: interfiction - Perspektiven und Mythen von 
Gegenoeffentlichkeit in Datennetzen

Die globale Datenvernetzung ist in aller Munde. In Politik 
und Wirtschaft entstehen Initiativen, die den weiteren 
Ausbau der Netze im groszen Stil planen und foerdern. Ziel 
dieses Engangements ist eine effizienzorientierte und 
wirtschaftzentrierte Nutzung der neuen 
Kommunikationsstrukturen. Diese Projekte sind in vielen 
Bereichen bereits funktionsfaehig und werden von einem 
besonders neugierigen Teil der Bevoelkerung auch schon 
benutzt. Man kann diese Entwicklung jedoch auch skeptisch 
beurteilen. Das Reisen auf der Datenautobahn und der Besuch 
von virtuellen Warenhaeusern unterscheidet sich naemlich 
nicht sonderlich vom alltaeglichen Einkauf und vom 
Zeitungslesen. interfiction stellt sich nun die Frage, wie 
diese multifunktionalen Kommunikationsstrukturen auf eine 
innovative und unkonventionelle Art und Weise benutzt 
werden koennen. interfiction moechte diese neuen 
Moeglichkeiten aus einer anderen Perspektive vorstellen und 
den Schwerpunkt auf die Diskussion einer 
'gegenoeffentlichen' Netznutzung legen. 
    Gegenoeffentlichkeit ist selber zum Mythos geworden. 
Die Vorstellung, dasz ein kritischer Umgang mit Medien 
zwangslaeufig zu einer Umgestaltung der Gesellschaft 
fuehrt, ist veraltet. Die Datennetze bieten jedoch eine 
neuen Anlasz, diesen Mythos konstruktiv zu verwenden. 
Netzprojekte versuchen, fasziniert durch die Potentiale des 
Netzes, die mythischen Dimensionen der elektronischen 
Struktur zu aktualisieren. Schlagworte dazu sind 
Globalisierung, Demokratisierung und freier Zugang zu 
Informationen. So ist es innerhalb des Internets 
beispielsweise moeglich, unmittelbar auf das gesamte 
Datenmaterial zuzugreifen. Da in der 'realen' Welt jedoch 
keine globale Verbreitung von Rechnern gegeben ist, ist das 
Internet kein wirklich globales Netz. Das Schlagwort 
Demokratisierung ist aehnlich skeptisch zu betrachten. 
Immer wahrscheinlicher wird es, dasz die neuen 
Kommunikationstechnologien einfach um die alten Strukturen 
ranken, diesen zwar partiell neue Moeglichkeiten schaffen, 
wobei deren Organisation aber unbeschadet bestehen bleibt. 
Es gibt also einen neuen 'Mythos Gegenoeffentlichkeit' in 
Datennetzen, der einen grundlegend ambivalenten Charakter 
hat. Die Welt wird keineswegs automatisch zu einem globalen 
Dorf. Genausowenig wird die Datenvernetzung zu einer 
automatischen Demokratisierung fuehren.
    Die netzspezifischen Mythen werden aber fuer die von 
uns eingeladenen Netzprojekte zu einem Anhaltspunkt, wenn 
es um konkrete Umgangsweisen und Strategien in Datennetzen 
geht. Im Gegensatz zu einer rein effizienzorientierten 
Anwendung versuchen diese Projekte auf netzadaequate und 
innovative Art und Weise Kommunikation und Interaktion zu 
ermoeglichen. Dieses ist genau das Thema, das interfiction 
bearbeiten will. interfiction moechte ein moeglichst 
breites Spektrum von Initiativen vorstellen, die in den 
Bereichen Kunst/Kultur, Stadt, Universitaet und 
Journalistik arbeiten, und sowohl Internet/WWW als auch 
Mailbox-Systeme benutzen.
    Im Zentrum von interfiction stand ein zweitaegiges 
Seminar. Es fand am 8.12 und am 9.12. jeweils von 13.00 bis 
17.00 Uhr statt. Durch die Seminarform sollte eine 
ausfuehrliche und intensive Auseinandersetzung ermoeglicht 
werden. Im folgenden nun eine Transkribierung des Beginns 
vom zweiten interfiction-Seminar.

-----------------------------------------------------------
*Transkribierung des Beginns von Seminar 2 - Kassel, 9.12.1995

Legende
/   / = SprecherIn
_   _ = Betonung
(...) = Auslassung
[   ] = Anmerkung
(-> ) = Referenz

[Das Seminar wird durch die Veranstalter von Uwe Hermanns, 
Herbert A Meyer und Gerhard Wissner eroeffnet (->URL_1). Es 
wird auf eine Tischvorlage hingewiesen, die 18 ethische 
Prinzipien beinhaltet (->URL_1). Diese wurden von Tommaso
Tozzi (Strano Network, Italien) anlaesslich des Budapester 
Treffens Metaforum II verfasst (->URL_2). Zu Beginn wird 
Volker Grassmuck von den Veranstaltern darum gebeten, sein 
aktuelles Projekt Access for All-FAQ (->URL_3) 
vorzustellen.]

/Volker Grassmuck/
Zum Rahmen des Projekts: Ich wuerde mir das wuenschen als 
einen Beitrag fuer die Internet World Expo (->URL_4) im 
naechsten Jahr, die von Carl Malamud und Vinton Cerf 
organisiert wird. Ich gehe davon aus, wenn ich mich in dem 
nicht voellig taeusche, dass es einen Internet-Hype geben 
wird im naechsten Jahr, der alles in den Schatten stellt, 
was wir bislang gesehen haben. Die Expo geht nach dem 
Modell der Weltausstellungen des 19. Jahrhunderts. Es ist 
also eine industrielle Leistungsschau. Nicht nur - also da 
sind auch durchaus sozial engagierte Projekte vertreten, 
aber vor allen Dingen geht es um Technologie, wenn ich das 
richtig verstehe. Im Rahmen der Expo wuerde ich mir das 
angestrebte Projekt sehr gut vorstellen koennen. Ich 
moechte diese access-for-all-Modelle, also Netzwerk-
Entwicklung von unten, auch international praesentieren und 
eine grosse Oeffentlichkeit dafuer gewinnen. Und dazu 
sollte es folgendes geben: Zunaechst einmal einen access-
for-all-File, also einen ersten Entwurf fuer einen 
theoretischen, politischen Argumentationsstrang: Warum 
access for all? Dann soll es eine Zusammenstellung von 
verschiedenen Projekten geben, die man unter dieses Dach 
fassen kann. Es geht nicht um eine neue Organisation oder 
sowas, sondern um die gesammelte Praesentation von 
Projekten, die zeigen, dass wir nicht auf die Telekom, 
nicht auf Burda und nicht auf Berlesconi und sonstjemanden 
angewiesen sind. Es geht darum, dass wir Netze selber 
machen koennen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt im 
Hinblick auf die Gebuehrenerhoehung ab dem 1. Januar auf 
alternative Loesungen fuer den Local Loop, also fuer den 
letzten Kilometer bis zur Wohnung. Prenzlnet (->URL_5), 
gestern schon mehrfach angesprochen, soll ein Art Workshop-
Charakter haben, wo die verschiedensten Loesungen von 
Lasern bis zum Babyphon und Packet-Radio und so weiter 
ausprobiert werden. Und am Schluss soll dabei eine Liste 
von Starterkits herauskommen, die Projekte irgendwo auf dem 
Land... also Leute, die vielleicht auch nicht in solchen 
Zusammenhaengen sind, aber trotzdem das an ihrem Ort machen 
wollen, beigehen koennen und sich sehr konkrete 
Informationen holen. Bis hin zu Bestellinformationen - wo 
kriegt man irgendwelche Lasertechnologie moeglichst billig 
zum Beispiel. Aber auch ueber Organisationsmodelle, 
Finanzierungsmodelle und so weiter muss man natuerlich 
nachdenken. Ebenso ueber Software, die bestimmte Gruppen 
entwickelt haben und die sie bereit sind, mit anderen zu 
teilen. Die Gemeinschaften, die da jeweils entstanden sind, 
sollten beschrieben werden. Das Ganze soll dann auf der 
Next 5 Minutes-Konferenz (->URL_6) praesentiert werden. Bis 
dahin ist das Projekt natuerlich noch nicht fertig. Es wird 
aber auch nie fertig werden, sondern es soll nur der erste 
Kristallisationskern sein, der eine moeglichst grosse 
Bandbreite von organisatorischen und technischen Modellen 
vorstellt. Zum Beispiel die Digitale Stad (->URL_7), die 
Internationale Stadt (->URL_8), das Zamir-Net in Ex-
Jugoslawien (->URL_9), Bulletin-Board-Systeme (->URL_10) 
und so weiter. Und im Laufe des naechsten Jahres, die Expo 
laeuft das ganze Jahr 1996, kann das dann Werkstatt-
Charakter bekommen, auch die Website. Ueber diesen FAQ-File 
soll nach Moeglichkeit die Diskussion weiterlaufen und es 
sollen weitere Projekte angeregt werden, die dann im Laufe 
des naechsten Jahres entstehen und damit aufgenommen 
werden.

[Zwischenfragen zur Expo, mit der Bitte, diese genauer zu 
eroertern.]
 
/Volker Grassmuck/
Also Industrieschau ist auch ein bisschen zynisch 
formuliert. Ganz so schlimm ist es nicht. Ist Carl Malamud 
ein Begriff? Der hat angefangen mit Internet-Talk-Radio, 
also erstmals Broadcast im Internet, dann freie Programme, 
Interviews mit irgendwelchen Internet-Figuren, so 
technische Sachen. Er ist halt ein Hacker, Techno-Hacker. 
Dann hat er ein Buch ueber ueber Internet-Traveller 
geschrieben, war in Japan, Thailand, Schweiz. Ein sehr 
aktiver Mensch aus der Techno-Szene. Industrie ist insofern 
nicht ganz richtig. Aber die Veranstalter der Expo haben 
Kanaele zu den ganz Grossen. Es wird eine T3-Backbone-
Leitung entstehen von San Francisco nach Washington, nach 
Amsterdam und nach Tokio. Das Stueck innerhalb der USA und 
nach Japan scheint schon zu stehen. Das wird von MCI bereit 
gestellt, das sind keine Hacker mehr. Aber so eine 
Backbone-Leitung zu legen ist auch fuer Hacker nicht so 
ganz einfach. Und ansonsten ist die Internet-Expo total 
offen. Im Prinzip kann jeder dort Pavillons anmelden und 
events machen. Zusaetzlich soll es auch darum gehen, 
ausserhalb der Netze Zugangspunkte bereit zu stellen. Und 
dieses ist auch als Problem erkannt worden. Und da spielt 
durchaus auch access-for-all, also oeffentliche, kostenlos 
benutzbare Terminals, als Idee eine Rolle. Der Rahmen ist 
mir eigentlich nur wichtig, weil er fuer Oeffentlichkeit 
sorgen wird. Es ist ganz merkwuerdig, in Deutschland ist 
die Expo ueberhaupt kein Thema. In Japan, in Thailand, in 
den USA ist sie das Thema ueberhaupt. Alle Leute, die 
irgendwas mit dem Internet zu tun haben, sind wie wahnsinng 
dabei, Pavillions fuers naechste Jahr zu bauen. 

[Zwischenfragen. Es wird geklaert, dass die Expo-Pavillions 
virtuelle Pavillions, also Websites sind. Volker Grassmuck 
weist noch darauf hin, dass im Rahmen seines Projektes 
inhaltliche Kriterien, Unterscheidungskriterien entwickelt 
werden sollen, nach denen man Projekte beurteilen kann. 
Daraufhin bitten die Veranstalter Tilmann Baumgaertel ueber 
aktuelle Vorgaenge bei Compuserve zu berichten.] 

/Tilmann Baumgaertel/
Bei Compuserve gibt es eigentlich kein Forum, wo die Nutzer 
in irgendeiner Form auf das Unternehmen einwirken koennen, 
Fragen stellen koennen. Deswegen hat sich 
interessanterweise in den letzten Monaten das Hilfeforum 
veraendert, das eigentlich so ein Support-Forum ist, wo man 
technische Fragen stellen kann, zum Beispiel wie kriege ich 
meine User-ID, wie kann ich mein Passwort aendern und so 
weiter. Da ist in den letzten Monaten eine Diskussion 
aufgekommen, die recht grundsaetzliche Fragen stellt, wie 
beispielsweise: In welcher Form muessen Sysops ihre